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Bio-Treibstoffe der 2. Generation

Auch in Güssing hat sich schon früh gezeigt, dass Biokraftstoffe aus Raps od. Mais (Treibstoffe der 1. Generation) kein Erfolg versprechender Weg sind, um aus der Energieabhängigkeit herauszukommen und auch keinen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

In Güssing wurde schon zu Beginn der 1990er Jahre Biodiesel produziert. Damals (im regionalen Rahmen, als Bauern der Region mit dem Treibstoff fuhren, der aus ihren Feldern gewonnen werden konnte) funktionierte das auch sehr gut, und die regionale Anwendung von Biodiesel ist sicher auch heute noch sinnvoll. Mit der Beimischverordnung von Biokraftstoffen zu herkömmlichen fossilen Kraftstoffen ist die Nachfrage massiv gestiegen, der Druck auf die Rohstoffproduktion wurde erhöht, wodurch die Rohstoffpreise stiegen und eine nachhaltige Rohstoffproduktion nicht mehr möglich war, was letztlich zu Rohstoffimporten führte. Die Auswirkungen dieser Situation sind bekannt und werden nun auch öffentlich diskutiert.

Alternativen

Aber, es gibt auch Alternativen – Biokraftstoffe der 2. Generation – die bisher noch nicht Eingang in die öffentliche Diskussion gefunden haben, unserer Meinung nach aber eine Antwort auf Energie- und Klimafragen liefern könnten, ohne dabei in Konkurrenz mit der Nahrungsmittelproduktion zu stehen.

Das EEE arbeitet zusammen mit Partnern aus dem In- und Ausland (Projekt „RENEW – Renewable fuels for advanced powertrains, Partner TU Wien und die Automobilindustrie) an der Entwicklung von Treibstoffen der zweiten Generation. Derzeit gibt es zur Produktion der synthetischen Treibstoffe der zweiten Generation zwei Strategien in Europa. Shell, VW und Mercedes gehen den Weg der Großanlagen mit der Problematik der Biomasselogistik und des nur 40%igen Wirkungsgrades. Güssing geht den Weg der dezentralen Kleinanlagen - aber mit einem Wirkungsgrad von 85% und ohne logistisches Problem, da die Produzenten (z. B. Bauern) die Biomasse selbst anliefern. Ein weiterer großer Vorteil des Modells Güssing ist, dass das quasi nebenbei gewonnene Gas auch in Erdgasnetze eingespeist und somit beliebig weitertransportiert werden kann. Daher auch der mehr als doppelt so hohe Wirkungsgrad im Vergleich mit der Strategie in Deutschland.

Was sind Treibstoffe der zweiten Generation?

Vereinfacht gesagt, sind das synthetische Treibstoffarten (Benzin, Diesel) die aus Biomasse gewonnen werden. Sie basieren auf Abfallprodukten der Land- und Forstwirtschaft (Stroh, Kurzumtrieb z.B. von Weidenhölzern, minderwertige Forstabfälle etc.) und kommen ohne Verwendung von Nahrungsmitteln aus. Das heißt sie konkurrieren daher auch nicht mit Flächen, die für die Lebensmittelproduktion gebraucht werden. Außerdem haben diese Treibstoffe der zweiten Generation einen wesentlich höheren Wirkungsgrad als jene der ersten Generation, wie eben Biodiesel aus Raps od. Bioethanol (im Verhältnis 4:1). Und sie schneiden in der Umweltbilanz hervorragend ab (weder wird Lachgas produziert noch sind Palmölimporte etc erforderlich).

Die Nachteile herkömmlicher Biotreibstoffe kann man mit synthetisch hergestellten Treibstoffen aufheben. Ein wesentlicher Vorteil beim Ausgangsmaterial für synthetische Treibstoffe ist die Tatsache, dass die ganze Pflanze genutzt werden kann. Es werden also z. B. bei Weizen nicht die Körner verwertet, sie verbleiben für die Lebensmittelproduktion. Lediglich der Rest der Pflanze kommt als Abfallstoff der Treibstoffproduktion zu. Die Reinheit der synthetischen Treibstoffe ist sogar höher als bei fossilen Treibstoffen.

Wie werden Treibstoffe der zweiten Generation erzeugt?

Kurz gesagt durch thermische oder biologische „Vergasung“ oder „Methanierung“ der Energiepflanzen.

Im weltweit einzigartigen Biomassekraftwerk Güssing wird durch Vergasung von Waldhackgut ein Produktgas erzeugt, das schon seit dem Jahr 2001 zur Erzeugung von Strom und Wärme herangezogen wird. Dieses Produktgas ist aber so hochwertig (und dafür ist diese Forschungsanlage in Güssing ja so einzigartig), dass daraus in weiteren Syntheseprozessen flüssiger Treibstoff (synth. Benzin od. synth. Diesel) und gasförmiger Treibstoff (synth. Erdgas) erzeugt werden kann. Was den Bereich der synthetischen Erdgas-Produktion betrifft, so ging im Herbst 2008 eine 1Megawatt Methanierungsanlage direkt neben dem Biomassekraftwerk Güssing in Betrieb. 2008 fand auch der Spatenstich für den Bau eines Technikums in Güssing statt. In diesem Forschungsgebäude direkt neben dem Biomassekraftwerk hat man somit die Möglichkeit, die Produktion von synthetischem Flüssig-Treibstoff der zweiten Generation in größeren Mengen zu erforschen. Das EEE als Kompetenzknoten dieser Forschungsbereiche nimmt somit eine europaweite Vorreiterrolle ein.

Die Zukunft der „Treibstoffe der zweiten Generation“:

Momentan gehen die ersten Demonstrationsanlagen in Betrieb und man wird sehen, welche der beiden Strategien sich durchsetzt. Experten sind sich aber darin einig, dass synthetische Treibstoffe die biologischen spätestens ab 2012 jedenfalls ersetzen werden. Die Strategie der Zukunft ist daher die dezentrale, lokale Energieerzeugung mit allen vorhandenen Ressourcen (Abfallstoffen) einer Region.

Mit einer thermischen und einer biologischen Vergasung als kompakter Energiezentrale kann man nach der Umwandlung von Biomasse in ein Produkt-Gas, alle Energieformen erzeugen, die man regional braucht – Wärme, Strom, synthetisches Erdgas für das Erdgasnetz oder zum Tanken, flüssige Treibstoffe, oder für die Zukunft auch Wasserstoff. An dieser Zukunft wird in Güssing bereits gearbeitet. Das EEE ist hier sicher der kompetenteste Ansprechpartner.

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