Modell Güssing » Auswirkungen auf den CO2-Ausstoß

Auswirkungen auf die CO2-Emissionen in Güssing

1996 versorgte das Fernheizwerk Güssing 12 Groß- und 30 Kleinabnehmer mit einer Gesamtwärmemenge von 6,25 Mio. kWh. 2009 wurden, im mittlerweile auf 30,5 km ausgebauten Fernwärmenetz, bereits 53 Groß- und 406 Kleinkunden mit 43 Mio kWh versorgt.

Schätzung der Auswirkungen des Einsatzes erneuerbarer Energieträger auf die CO2 - Emissionen der Stadtgemeinde Güssing

Im Zuge des Projektes „Energieautarker Bezirk Güssing“ wurde vom EEE Güssing ein Werkzeug entwickelt, mit dem der Energiebedarf einer Gemeinde berechnet und nach Nutzungsart bzw. nach Verbrauchergruppe eingeschätzt werden kann. Mit Hilfe dieses Werkzeugs kann auch eine grobe Zuordnung zu den verwendeten Energieträgern hergestellt werden. Es handelt sich dabei im Wesentlichen um die Zusammenführung und Verknüpfung statistischer Daten.

Der Energiebedarf der Stadtgemeinde Güssing (inklusive aller Ortsteile) beträgt nach dieser Berechnung für das Jahr 2001 rund 142.326 MWh jährlich und sieht im Detail folgendermaßen aus:

Energiebedarf der Stadtgemeinde Güssing 2001

Energieträger
Energiebedarf / Jahr
Treibstoff
40.730 MWh
Brennstoff (Wärme)
67.960 MWh
Strom
33.640 MWh

Der Brennstoffeinsatz ist in der Gebäude- und Wohnungszählung von 2000 grob aufgeschlüsselt, die Verwendung von Treibstoffen ist aus der österreichischen Verkehrsstatistik ableitbar. Die Berechnung der Emissionen erfolgt nun durch die Verknüpfung der Bedarfsdaten mit den Stoff- bzw. Prozessspezifischen Emissionsdaten wie sie in der Emissionsdatenbank GEMIS 4.1 abfragbar sind. Der Vorteil der Daten aus GEMIS 4.1 gegenüber der direkten Berechnung der Verbrennungsemissionen liegt in der Berücksichtigung des Energieaufwandes für die Bereitstellung der Energieträger einerseits und der Möglichkeit der Berücksichtigung einer „Überproduktion“ an erneuerbarer Energie in der Gesamtemissionsbilanz der Gemeinde andererseits.

Für die Berechnung der Emissionen wurden drei Szenarien entwickelt:

Szenario 1 stellt die CO2 - Emissionen dar wie sie bis 1995 waren, bevor die Güssinger Bio-Fernwärme errichtet wurde.

Szenario 2 zeigt den gegenwärtigen Stand der CO2 – Emissionen wie sie im Jahr 2005 waren.

Szenario 3 ist letztlich das Szenario, welches sich ergibt, wenn sämtliche KWK-Anlagen sowie die Altspeiseöl - veresterung (Biodiesel) mit voller Kapazität laufen. Dieses Szenario wurde für 2006 veranschlagt.

Die Gesamtbilanz aller 3 Szenarien gestaltet sich wie folgt:

CO2 Entwicklung in Güssing 1995 - 2006

Datum des Szenarios
CO2 Produktion in t/Jahr
in Prozent
Szenario 1 (ohne Einsatz von erneuerbarer Energie - vor 1995)
36.995 t/a
100%
Szenario 2 (Ist-Stand 2005) - 2005
24.020 t/a
61%
Szenario 3 (Ist-Stand und Volllastbetrieb) - 2006
2.782 t/a
8%

Im Jahr 2008 kam es zu einer grundlegenden Veränderung in der Energiebilanz der Stadt Güssing, verursacht durch die Abkehr von der Biodieselerzeugung. Es erfolgte eine Neuorientierung hin zu synthetischen Treibstoffen wie Holzmethan, Holzbenzin und Holzdiesel. Für die Erzeugung dieser Energieträger wird ein Teilstrom des Produktgases aus dem Biomassekraftwerk herangezogen.

Somit ist Szenario 3, wie es in oben stehender Tabelle skizziert wird, obsolet geworden. Gleichzeitig ist aber auch der Energiebedarf der Stadt , verursacht durch eine Ausweitung von Industrie und Gewerbe, angewachsen und gestaltet sich wie in der nachstehenden Tabelle dargestellt:

Energiebedarf der Stadtgemeinde Güssing 2008

Energieträger
Energiebedarf / Jahr
Treibstoff
47.660 MWh
Brennstoff (Wärme)
73.000 MWh
Strom
40.400 MWh

Der Energiebedarf ist somit um 12% angestiegen, wird aber aus den Kapazitäten der Energieerzeugungsanlagen abgedeckt. Durch den Wegfall der Biodieselanlage ist der Eigenversorgungsgrad vorübergehend von 99% auf einen Anteil von 51% gesunken. Die aktuellen CO2 Emissionen liegen derzeit bei rund 25.000 t/a.

Die vor der Eröffnung stehende Methanierungsanlage ist in der Lage etwa 7.500 MWh/a in Form von synthetischem Erdgas als Brenn- bzw. Treibstoff zu liefern, womit der Eigenversorgungsgrad wiederum auf 56% ansteigt. Gleichzeitig kommt es zu einer Reduktion der CO2 Emissionen um ca. 2.500 t/a was einem Wert von 10% entspricht.

Die mittelfristig vorgesehene Produktion von synthetischem Benzin und Diesel nach dem Fischer-Tropsch Verfahren (derzeit läuft lediglich ein Probebetrieb) wird sowohl die Energie- als auch die CO2-Bilanz weiter verbessern und die Stadt Güssing wieder in Richtung der vollständigen Energieautonomie bringen.

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