Modell Güssing » Was ist das?

Über das Modell Güssing - Vision oder Wirklichkeit?

Wer kennt nicht das kleine gallische Dorf zu Zeiten von Asterix und Obelix im heroischen Kampf mit Julius Cäsar? Ein selbst zubereiteter Zaubertrank war die Basis der Unabhängigkeit von der Außenwelt.

Eine kleine Südburgenländische Stadt trotzt im 21. Jahrhundert ebenso der (Energie)Außenwelt. Ihre Zauberformel ist die energetische Unabhängigkeit bei Strom, Wärme und Kraftstoffen von allen Energieversorgern. Dieses Konzept, vor mehr als 10 Jahren erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt, löste großes Gelächter aus. „Das geht doch nicht“, war noch die harmlose Antwort der so genannten Experten. Heute ist die Stadt (Energie)unabhängig und hat noch zusätzlich 1.000 Arbeitsplätze dazu gewonnen. Die gesamte Wertschöpfung bleibt in der Region. Sie versorgt Ihre Einwohner mittels Biomasse und Solarenergie und wird dadurch noch zum Energieexporteur (= Energieüberschuss).

Vom Modell zur Umsetzung

1990 fasste der Güssinger Gemeinderat den wohl wichtigsten Beschluss aller Zeiten: 100%iger Ausstieg aus der fossilen Energieversorgung!
 
Es entstanden das Biomasse-Fernheizwerk Güssing (bei seiner Gründung das größte Europas), eine Biodieselanlage, das weltweit einzigartige Biomasse-Kraftwerk Güssing um nur einige zu nennen. Die Organisation einer geeigneten Holzlogistik wurde geschaffen, ebenso Holztrocknungsanlagen, die für eine ganzjährige Auslastung des Fernwärmenetzes sehr wichtig sind. Mit einem speziellen Betriebsansiedlungsprogramm gelang es in den letzten Jahren, zahlreiche neue Betriebe und Arbeitsplätze anzusiedeln. Darunter zwei große Parketthersteller und vor kurzem eine Photovoltaikzellenfabrik. Ein eigener ökoEnergietourismus-Zweig wurde geschaffen, ein Netzwerk mit Kultur- und Sportveranstaltern (Run in the Sun – Ökoenergiemarathon) aufgebaut.

Güssing wurde Europäisches Zentrum für erneuerbare Energie.

Mit dem Bau des Biomasse Kraftwerks wurde auch das Ziel energieautark zu sein erreicht. In Güssing wird im Bereich Wärme, Kraftstoff und Strom in der Jahresbilanz mehr Energie aus regionalen Rohstoffen erzeugt als die Stadt tatsächlich benötigt. Eine gewaltige regionale Wertschöpfung von jährlich 13 Mio € wurde dadurch erreicht. Innerhalb von 15 Jahren gelang es die einst ärmste Region in einen hohen Lebensstandard und eine große Lebensqualität zu bringen.
Durch Kooperation mit den regionalen Schulen werden die Jugendlichen bereits in der Schulzeit mit dem Thema „Umwelt“ konfrontiert, um dann auch nach Schulabschluss hochwertige Arbeitsplätze vorzufinden.

Die Ausweitung des Modells

Das Modell Güssing gilt als Erfolgsmodell und ist international als Energie bzw. Biomassezentrum anerkannt. Ausgehend vom Rohstoff Holz wurden die Ziele wie Regionalentwicklung, Arbeitsplatzbeschaffung sowie Forschung und Entwicklung nachhaltig durch viele Initiativen, Projekte und den Mut zum Handeln umgesetzt.

Die erreichten Ziele sollen aber auch in Zukunft weiter ausgebaut werden, und deshalb ist man bestrebt, die Energieautarkie der Stadt Güssing bis zum Jahr 2010 auch auf den gesamten Bezirk Güssing auszuweiten. Das Positive an diesem System und der Philosophie ist daher, dass das Modell Güssing an jeden beliebigen Ort der Welt verpflanzt werden kann. Man muss lediglich die vor Ort befindlichen Ressourcen nutzen und die dementsprechenden nachhaltigen Technologien zum Einsatz bringen.

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